Das Kaufen muss oft von einem fast unablässlichen Ritual begleitet werden: dem Feilschen. An Straßenständen, auf Straßenmärkten und (in geringerem Maße) in Geschäften in Pattaya sind die Preise sehr flexibel, Handeln kann eine erhebliche Ersparnis einbringen. In den Department Stores, diesen Kauftempeln nach westlichem Vorbild, ist dieses Ritual jedoch dem Zeitgeist geopfert worden: Die Preise sind dort fest. Reisende, die zum ersten Male mit dem Feilschen konfrontiert werden, sind in den meisten Fällen etwas perplex. Mancher mag es sogar als „Betrugsversuch“ werten, wenn zu Anfang ein eklatant hoher Preis genannt wird.

Doch ganz so garstig sollte man das nicht sehen. Das Feilschen ist ein Akt der Kommunikation und kann sogar eine Menge Spaß machen, wenn man nicht zu verbissen an die Sache herangeht. Die Westler neigen oft dazu, es als einen Akt auf Leben und Tod zu betrachten, in dem entweder sie die Händler oder aber letztere sie über die Klinge barbieren. Beim Handeln empfiehlt sich, wie bei allen zwischenmenschlichen Aktionen, ein „kühles Herz“ (jai yen) und eine gute Portion Humor. Ist der vom Händler genannte Preis offensichtlich weit überhöht, sollte man ihn durch ein humorvolles Lachen quittieren, nicht aber etwa durch Verwünschungen und eine geballte Faust. Nichts ist endgültig in Pattaya, alles Ende ist offen, auch der Preis.

Markt Thailand

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Das Feilschen ist also eher als eine Art Gesellschaftsspiel zu betrachten. Oder schlimmstenfalls als ein Ritual, das erfüllt werden will. Im Prinzip ist das Handeln „ursprünglicher“ als das System des Festpreises, ist es doch ein Überrest aus den Zeiten, als es noch kein Geld gab und ein Schwein gegen eine Karre voll Melonen getauscht wurde, ein Huhn gegen eine Handvoll Trockenfisch. Bei diesem ursprünglichen Tauschhandel, wie er vor Erfindung des Geldes in allen Kulturen gepflegt wurde, war der effektive „Preis“ logischerweise offen: Der „Preis“ einer Ware konnte ja in verschiedenen „Währungen“ bezahlt werden – in Schweinen, Hühnern, Bananenstauden, Ingwerknollen, Betelblättern, Reisscheffeln oder was gerade geboten wurde. Das heutige asiatische Feilschen ist ein Überbleibsel aus jenen Zeiten.

Bei der ersten Preisüberlegung seitens des Händlers spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen seine eigene „Skrupellosigkeit“, die es ihm erlaubt, mehr oder weniger hohe Preise zu verlangen. Die wird aber durch die Konkurrenz in Grenzen gehalten, denn ist der anfänglich genannte Preis allzu hoch, erreicht der Händler lediglich, dass der potenzielle Kunde ohne den Versuch zu handeln zum Nachbarstand überläuft. Dazu kommt das Tagespreislevel, das sich (vor allem bei Lebensmitteln) tatsächlich von Tag zu Tag ändern kann, und natürlich die Einschätzung des Kunden. Hält der Händler ihn für „dumm“ oder „unerfahren“, wird er den Preis nach oben schnellen lassen. Zu dieser Kategorie zählen leider meistens die Touristen in Pattaya.

Wer in bestem Schulenglisch auf eine Ware zeigt, dann fragt, was ist das eigentlich und wie teuer, der ist dazu prädestiniert, einen hohen Preis zu hören. Dafür kann der Betreffende natürlich nichts, denn jeder ist irgendwann zum ersten Mal in einem Land. Um aber zu vermeiden, als finanzielles Opferlamm herhalten zu müssen, sollte man so souverän wie möglich handeln. Nach der Methode: Also pass mal auf, ich kenn‘ mich hier aus, mach‘ mal einen vernünftigen Preis! Dazu gehört sicher ein bisschen schauspielerisches Talent, besonders, wenn man gerade einen Tag zuvor den Boden des Landes betreten hat. Einen Versuch ist es dennoch wert.

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